- Transhumanz ja… aber in Ruhe!
- Von Almo Nature del: 25 Mai 2011
- Kategorie: NEWS
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In unserer Erinnerung leben Bilder aus einer Landschaft, die mit Tieren auf der Weide durchsetzt ist und die es, leider, längst nicht mehr gibt.
Heute wird das Vieh in hypertechnologischen Ställen gehalten, und wenn Transhumanz, also Fernweidewirtschaft, praktiziert wird, wird sie mit LKWs und Zügen organisiert, damit es schnell geht!
Vergessen wir die Wanderungen, die traditionell über einen Monat dauerten: Heute braucht man mit technischer Unterstützung nur einen Tag, um von Hügel- und Berggebieten an die ebene Küste und umgekehrt zu gelangen.
Kann man aber mit so verkürzter Zeit die gleichen Ergebnisse erzielen?
Ich denke nicht: Die Fortbewegung bei der Wanderweidewirtschaft war historisch langsam, denn wenn die trockene Jahreszeit beginnt, liegt auf den Bergen noch Schnee, und daher erfolgt der Aufstieg in die Höhenlagen langsam und stufenweise. Außerdem gehören April und Mai botanisch zu den wichtigsten Monaten, denn dies ist die Hauptblütezeit. Wenn das Vieh in dieser Zeit in den Tälern bleiben würde, würde es Weiden und Wälder zerstören – und damit auch die Möglichkeit für Flora und Fauna, sich zu reproduzieren.
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass die Tiere auch die wunderbare “Aufgabe” haben, Samen – und damit Fruchtbarkeit – zu transportieren: Ein Schaf kann pro Tag rund 5.000 Samen befördern! So bewegt eine Schafherde in einem Monat über 2 Millionen Samen.
In dieser Zeit, in der wir den Klimawandel und den globalen Verlust der biologischen Vielfalt erleben, ist dieses Phänomen wichtig, um das Aussterben von vielen Pflanzenarten zu verhindern: Mit der Transhumanz werden die Samen an neue Orte befördert, um sich zu vermehren und zu überleben, und mit ihnen kann das Leben weitergehen.
Probleme bei den Wanderungen mit den Herden zu Fuß entstehen heute oft durch Konflikte mit der Straßenführung und mit den Rhythmen des 21. Jahrhunderts. Die zunehmende Erschließung durch den Menschen, die Bebauung von ursprünglich landwirtschaftlichen Gebieten, häufig auch die zunehmende Dummheit stellen diese tausendjährige Praxis auf eine harte Probe: So ist zum Beispiel der Zugang für die Herden auch in Flussparks verboten, obwohl sich in Flussgebieten traditionell die Weidewirtschaft konzentrierte. Wenn gerade die Wiesen nicht zugänglich und die Felder schon bestellt sind, waren die unbebauten Flussufer seit jeher ein ideales Gebiet für die Weide, auch durch die Nähe zum Wasser. Hier verursachen die Herden also keine Schäden, sondern halten im Gegenteil die Flussufer sauber und tragen auch dazu bei, Überschwemmungsgefahr vorzubeugen, während sie die Pflanzen fressen – im Allgemeinen eine Mischung aus einheimischen Arten und Unkraut, die auch gegen Betreten und den Durchzug von Tieren beständig sind.
Die Figur des Hirten könnte also wieder zur Ressource für die Verwaltung von Schutzgebieten werden, denn die Hirten sind ständig vor Ort und wahre Umweltwächter – und dazu erzeugen sie noch kulinarisch vorzügliche Lebensmittel.
Dr. Jacopo Goracci

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